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Wie funktioniert ein SLS-Drucker?

Grundlagen-Wissen Kunststoff-3D-Drucker – Teil 1
Wie funktioniert ein SLS-Drucker?

Wie funktioniert ein SLS-Drucker?
SLS-Drucker sind in der Lage, innenliegende Formen ohne Stützstrukturen zu drucken. Bild: mari1408/stock.adobe.com

SLS-Drucker gehören zu den 3D-Druck-Technologien, die mit Kunststoffen arbeiten. 17 verschiedene Polymer-3D-Druck-Technologien sind, nach dem aktuellen Marktreport des Strategieberatungs-Unternehmen AMPower, derzeit bekannt. Sie alle befinden sich in unterschiedlichen Stadien der technologischen und industriellen Reife. Grund genug Ihnen in der Serie „Grundlagen-Wissen Kunststoff-3D-Drucker“ einen Überblick zu geben.

Evelin Eitelmann, Redakteurin, Zentralredaktion Konradin Industrie

Inhaltsverzeichnis
1. Was ist ein SLS-Drucker?
2. Wie ist ein SLS-Drucker aufgebaut?
3. Wie funktioniert ein SLS-Drucker?
4. Welche Vorteile hat das Selektive Laser Sintern?
5. Wer sind die Hersteller von SLS-Druckern?

Was ist ein SLS-Drucker?

Der SLS-Drucker gehört zu den additiven Fertigungsmaschinen. Das Kürzel SLS verweist auf das Verfahren, mit dem 3D-gedruckt, beziehungsweise additiv gefertigt, wird: Selective Laser Sintering. Dabei wird Polymerpulver (pulverisierter Kunststoff) mittels eines meist beweglichen Laserstrahls schichtweise selektiv lokal gesintert und verfestigt. Das gewünschte Bauteil oder Werkstück entsteht im Querschnitt.

SLS-Drucker arbeiten also im sogenannten Pulverbett-Verfahren, was für den Aufbau eines solchen 3D-Druckers noch wichtig sein wird.

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Formlabs stellt mit dem Fuse 1+ 30W die nächste Generation seines SLS-3D-Druckers vor. Bild: Formlabs

Wie ist ein SLS-Drucker aufgebaut?

Die wesentlichen Komponenten eines SLS-Druckers sind:

  • Heizspiralen: Heizspiralen heizen den Bauraum, beziehungsweise das Pulver im Bauraum auf. Sie liegen unterhalb der Baukammer.
  • Baukammer: Die Baukammer ist Zentrum eines jeden 3D-Druckers. Alle anderen Komponenten befinden sich um sie herum und hier spielt sich der 3D-Druck-Prozess ab: In der Baukammer entsteht im Pulverbett das 3D-gedruckte Bauteil.
  • Pulverförderkammer: Die Pulverförderkammer enthält das Polymerpulver, das im Laufe des 3D-Druck-Jobs zum Einsatz kommt. Sie befindet sich neben der Baukammer.
  • Rolle (Rakel oder engl. Recoater): Mit Hilfe der Rolle wird Schicht um Schicht Polymerpulver während des 3D-Druck-Jobs aufgetragen. Sie bewegt sich über die Pulverförderkammer und den Bauraum hinweg.
  • Laser: Es gibt verschiedene Arten von Lasern, die für SLS-Drucker geeignet sind. Einige der am häufigsten verwendeten Laser sind CO2-Laser und Faserlaser. Um den Laserstrahl treffsicher zu positionieren, kann ein Spiegel eingesetzt werden. 

Zudem sorgen diverse elektrotechnische Bauelemente, Antriebstechnik, Sensoren und ein Bedienfeld für die Automatisierung des 3D-Druck-Prozesses. Und schlussendlich dürfen dort, wo ein Laser ist, unter anderem aufgrund des Arbeitsschutzes weder eine Einhausung um den SLS-Drucker noch eine Lüftungsanlage fehlen. 

Wie funktioniert ein SLS-Drucker?

Innerhalb der Baukammer des SLS-Druckers befindet sich eine Plattform. Hierauf wird eine erste Schicht des Polymerpulvers verteilt. Danach erhitzen die Heizspiralen das Polymerpulver, dessen Temperatur unterhalb seines Schmelzpunktes liegen sollte. Dieser Vorgang soll den eigentlichen SLS-Prozess erleichtern. Im Anschluss erhitzt der Laser die erste Schicht des Polymerpulvers an genau den Stellen, an denen das Bauteil entstehen soll. Man kann sagen, dass die Partikel dabei mechanisch verschweißt werden. Der Werkstoff härtet an diesen Stellen.

Die Plattform senkt sich. Mit Hilfe der Rolle wird aus der Pulverförderkammer die nächste Schicht Polymerpulver aufgetragen, die der Laser dann wieder sintert. Schicht um Schicht entsteht so ein Bauteil. Das Polymerpulver, das sich um das entstehende Werkstück und in dessen Zwischenräumen befindet, dient als Stütze. So sind beim SLS-Verfahren anders als bei anderen 3D-Druck-Verfahren keine weiteren Stützstrukturen notwendig. 

Igus_blaues_SLS-Material.jpg
Der Lasersinter-Werkstoff von Igus ist in Blau verfügbar. Die blaue Farbe erleichtert das Detektieren, falls doch mal ein Bauteil kaputt gehen sollte.
Bild: Igus

Welche Vorteile hat das Selektive Laser Sintern?

Bauteile, die im Selektiven-Laser-Sinter-Verfahren (SLS) hergestellt werden, weisen derart gute Eigenschaften auf, dass sie gleich verwendet werden können (Rapid Manufacturing). Sie liegen in ihren Eigenschaften nah an Spritzgussbauteilen: Sie sind schlagfest und mechanisch stabil.

Zudem können im SLS-3D-Druck komplexe geometrische Formen ohne Stützstrukturen entworfen und gedruckt werden. Es ergeben sich funktionelle Bauteile, die in sich beweglich sein können. Zudem sind Hinterschneidungen und überhängende Strukturen leicht realisierbar. 

Kleinere Bauteile können gleichzeitig gedruckt werden, entweder nebeneinander oder mit Nesting-Funktionen auch übereinander. Das steigert die Produktionsrate. 

Das dafür notwendige Polymer-Pulver kann wiederverwendet werden. Dadurch wird die Herstellung von Werkstücken je nach Anwendung kostengünstiger im Vergleich zu anderen additiven oder subtraktiven Herstellungsverfahren. 

SLS-Drucker Gravity
Das Unternehmen Wematter hat die 3D-Drucker-Serie Gravity entwickelt, eine erschwingliche, schlüsselfertige Lösung für das Selective-Laser-Sintering-Verfahren.
Bild: Wematter

Wer sind die Hersteller von SLS-Druckern?

Es liegt wohl in der Natur der Sache: Die Hersteller von 3D-Druckern, die im Selective-Laser-Sintering-Verfahren arbeiten, führen meist auch SLM-Drucker. Beide additiven Fertigungstechnologien arbeiten mit dem Pulverbett, jenes mit Kunststoffpulver, dieses mit Metallpulver. Hier eine Liste von SLS-Drucker-Herstellern, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat.

Mit dem ✚-Zeichen klappen Sie weitere Informationen zum jeweiligen Hersteller aus.

3D Systems
3D Systems verfügt über ein breites Angebot an Hardware, Software und Materialien unterschiedlicher 3D-Druck-Verfahren. Das US-amerikanische Unternehmen bietet im Bereich Selektives Laser Sintern (SLS) eine durchgängige Lösung, die Hardware, Software und fein abgestimmte Polyamid- und Verbundwerkstoffe umfasst. Derzeit hat 3D Systems drei SLS-Drucker im Angebot: SLS 380, sPro 140 und sPro 230. Sie liefern robuste, hochauflösende Teile mit hohem Durchsatz. Außerdem wird das Unternehmen ab Juli 2023 den SLS-Drucker Gravity von Wematter in das Portfolio aufnehmen.
EOS
EOS ist einer der weltweit führenden Technologieanbieter im industriellen 3D-Druck von Metallen und Kunststoffen. Das deutsche Unternehmen bietet im Bereich SLS Hardware, Software und Werkstoffe an. Derzeit hat das Unternehmen insgesamt sechs SLS-Drucker im Portfolio: für kleine Bauvolumina oder kleine Teile Formiga P 110 Velocis, Formiga P 110 FDR; für mittlere bis große Bauvolumina EOS P 396, EOS P 500, EOS P 770; für besondere Anwendungen das Hochtemperatur-System EOS P 810.
Eplus 3D
Eplus3D ist ein chinesischer Hersteller von additiven Fertigungsanlagen und Anbieter von Anwendungslösungen, insbesondere im Bereich der Metall-3D-Drucker. Allerdings führt das Unternehmen auch SLS-Drucker – derzeit drei: den EP-P420, den EP-C5050 Wax/Sand und den EP-C7250 Wax/Sand. Das Unternehmen besitzt zwei Standorte, einen in Peking und einen in Hangzhou, Provinz Zhejiang.
Farsoon
Farsoon Technologies wurde 2009 gegründet und ist ein Hersteller und Lieferant von Laser Powder Bed Fusion (LPBF)-Systemen für Polymere und Metalle auf industrieller Ebene. Derzeit hat das chinesische Unternehmen insgesamt sieben SLS-Drucker im Portfolio: für kleine Bauvolumina oder kleine Teile Flight 252P, 252P und eForm. Im mittleren Segment befinden sich Flight 403P, Flight 403P-2 Dual Laser und 403P. Für große Bauvolumina gibt es den HT1001P-2.
Formlabs
Mit zehn Standorten rund um den Globus legt Formlabs den Fokus auf Kollaboration, Kommunikation und Teamarbeit, heißt es von Unternehmensseite. Das US-amerikanische Unternehmen entwickelt und fertigt 3D-Drucker sowie die dazugehörige Software und Verbrauchsmaterialien. Formlabs hat zwei SLS-Drucker im Portfolio: Fuse 1 und Fuse 1+ 30W.
Nexa 3D
Das Unternehmen Nexa 3D hat von Grund auf zwei Drucksysteme entwickelt, die für Hochgeschwindigkeits-Produktionsanwendungen ausgelegt sind. Eines davon ist Quantum Laser Sintering (QLS) für Thermoplaste:  QLS 820, geeignet für die Serienproduktion, QLS  230, geeignet für die Produktion im 24-Stunden-Zyklus, und QLS 236, geeignet für die Produktion im 21-Stunden-Zyklus. Darüber hinaus erschließt die Digital-Twin-Printing-Software des Unternehmens aus den USA neue Materialeigenschaften und gewährleistet Prozessstabilität.
Prodways
Prodways bedient die 3D-Druck-Wertschöpfungskette 3D-Drucker, Materialien und Dienstleistungen. Das französische Unternehmen hat derzeit drei SLS-Drucker im Programm mit den Bezeichnungen Promaker P1000, P1000 X, P1000 S. Sie unterscheiden sich im Bauvolumen und der Wattstärke des Lasers.
Sinterit
Lisa und Nils heißen die 3D-Druck-Technologien des polnischen Unternehmens Sinterit. Beide Serien bedienen die Nachfrage nach dem Selective-Laser-Sintering-Verfahren. Lisa gibt es derzeit in drei Ausführungen und Nils in einer. Seit Februar 2023 ist das Unternehmen Partner von Forward AM, einer Marke der BASF 3D Printing Solutions GmbH. Zudem bieten drei der 3D-Drucker eine Stickstoffkammer, die es ermöglichen soll, auch mit anderen Materialien zu experimentieren als mit den von Sinterit empfohlenen.
Sintratec
Sintratec ist, nach eigenen Angaben, der führende Schweizer Entwickler und Hersteller von präzisen 3D-Druckern für den professionellen Einsatz. Das Besondere seiner 3D-Druck-Technologien: die All-Material Platform trennt das Fusion Module (3D-Drucker) vom beweglichen Build Module (Materialeinheit). Dank dieser Modularität können sowohl Polymere als auch Metalle (SLM-Verfahren) auf derselben Anlage verarbeitet werden – ohne Kreuzkontamination oder langwierige Reinigungsprozesse. Automatisierungsspezialist Schneider Electric nutzt das System beispielsweise.
XYZ-Printing
XYZprinting wurde im Jahre 2013 gegründet. Hinter dem Unternehmen steht einer der weltweit führenden Elektronikkonzerne – die Kinpo Group. Das Unternehmen bietet 3D-Drucker für vier unterschiedliche Verfahren inklusive Materialien an. Der MFGPro230 xS von XYZ-Printinge verwendet die Selective Laser Sintering-Technologie (SLS).

Teil 2 der Serie Grundlagen-Wissen Kunststoff-3D-Drucker beschäftigt sich mit FDM-Druckern, die im Fused-Filament-Fabrication-Verfahren bzw. Fused-Deposition-Modeling-Verfahren arbeiten.
Teil 3 der Serie Grundlagen-Wissen Kunststoff-3D-Drucker beschäftigt sich mit SLA-Druckern, die im Stereolithografie-Verfahren arbeiten.

Quellen:

https://de.3dsystems.com/selective-laser-sintering
https://www.eos.info/de/additive-fertigung/selektives-lasersintern
https://formlabs.com/de/blog/einfuehrung-sls-3d-druck/
https://sinterit.com/de/blog/sls-technologie/was-genau-ist-der-sls-3d-druck/
https://sls3d.de/wissen/was-ist-selektives-lasersintern/

Aktuelle Meldungen zu SLS-Druckern finden sich hier:

SLS-Drucker

 

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