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Richtig Händewaschen nach dem 3D-Druck

Aktivkohle und Schichtsilikate sorgen für Sicherheit
3D-Druck: Hautreinigung nach dem Pulverhandling

Bei der Hautreinigung nach dem Pulverhandling im 3D-Druck scheint die Zeit in den Neunzigern stehen geblieben zu sein. Denn oftmals kommen noch Seife und Waschpasten zum Einsatz. Hersteller wie Protolabs aus München, Mawe Presstec aus Hatzenbühl haben das nun geändert.

Aus der Praxis ist bekannt, dass sich die feinen Pulverpartikel trotz möglichst geschlossener Systeme, Absauganlagen, und PSA auf der Haut der Mitarbeiter ablagern können. Probleme gibt es in der Nachbearbeitung, wo Handschuhe durch scharfkantige Werkstücke einreißen und wenn dort mit drehenden Werkzeugen gearbeitet wird, dann sind die Handschuhe ohnehin verboten. Auch beim An- und Ausziehen der PSA kann es zu einer Kontaminationsverschleppung kommen und das Pulver kommt mit der Haut in Berührung. Es gibt also viele Wege, wie Pulver auf die Haut kommen kann.

Falsche Hautreinigung kann kontraproduktiv sein

Unsere Haut bietet grundsätzlich einen recht guten Schutzwall gegen äußere Einflüsse, denen wir im Alltag begegnen. Seife, tensidhaltige Mittel, oder Reibekörper in Waschpasten können diesen Schutzwall jedoch zerstören, was dazu führt, dass feine Partikel viel leichter in die Haut und damit in den Körper eindringen. Dieser Vorgang ist als sogenannter Wash-In-Effekt bekannt (der sorgsame Umgang damit wurde auch in die Arbeitsschutzrichtlinien aufgenommen – vgl. TRGS 401). Je regelmäßiger wir also im Berufsalltag mit Seife in Berührung kommen, umso angreifbarer machen wir den Körper. Das gilt auch für Waschpasten und den darin enthaltenen Reibekörpern.

Ist Seife überhaupt effektiv?

Seife hat ihre Berechtigung, wenn es um Viren und Bakterien geht, also in Büro, Küche, und WC. Wenn es aber um feine Metall- oder Kunststoffpulver geht, gibt es neben dem Wash-In-Effekt ein weiteres Problem: je kleiner die Partikel, desto weniger effektiv ist Seife. Dieser Aspekt wird noch wichtiger, wenn man bedenkt, dass die Pulver in der Größenverteilung entgegen den Herstellerangaben deutlich kleinere Partikel beinhalten, sogar teilweise bis weit in den Nanometer-Bereich hinein. Beim Umgang mit gesundheitsschädlichen Stoffen – und dazu zählen die eingesetzten Pulver in der additiven Fertigung – ist die Größe der Partikel und damit die fehlende Effektivität der Seife ein Problem.

Einatmen ist nur eines von drei Problemen

Seit vielen Jahren wird der Fokus vieler Betriebe vor allem darauf gelegt, welche Risiken durch das Einatmen der feinen Partikeln bestehen, und was man gegen eine Inhalation tun kann. Hier wird oftmals schon sehr viel getan, sodass hier viele Risiken vermieden werden. Wenn Pulver aber auf die Haut gelangt, was sich im Arbeitsalltag kaum vermeiden lässt, so ist eine oft gegeben Antwort von Arbeitsschutzexperten ein hilfloses: „Hautkontakt? Ja, muss man halt abwaschen.“ Spätestens nach den obigen Zeilen weiß der Leser jedoch, dass Hautkontakt schon an sich ein Problem ist.

Ein drittes Gesundheitsrisiko bleibt in diesem Zusammenhang vielfach nicht beachtet: Wenn Partikel auf der Haut verbleiben, droht eine orale Aufnahme durch eine Kontaminationsverschleppung. Wissenschaftler aus Leipzig haben herausgefunden, dass sich der Mensch etwa 400 bis 800 Mal am Tag ins Gesicht fasst – der Großteil davon an Augen, Nase und vor allem an den Mundraum. Partikel, die hier hingelangen, werden zu etwa 40% über den Mund vom Körper aufgenommen.

Studien zeigen, dass sich die kleinen Metall- und Kunststoffpartikel in den Organen und den Blutgefäßen anreichern können und hier mittelfristig zu Organschäden, verringerter Fruchtbarkeit, Entzündungen und Krebs führen können. Obwohl vor allem Kobalt und Nickel als unmittelbar krebserzeugend eingestuft sind, können insgesamt die meisten der in der additiven Fertigung verwendeten Pulverpartikel nur sehr langsam oder gar nicht vom Körper abgebaut oder ausgeschieden werden.

Leichtfertiger Umgang mit Kunststoffpulver

Metallpulver sind natürlich besonders problematisch, dem hat die BG RCI bereits mit eigenen Einträgen im Gefahrstoffportal GISCHEM schon vor langer Zeit Rechnung getragen. Allerdings sind die Gesundheitsrisiken von Kunststoffpulver nicht zu unterschätzen. Bislang wird nicht so intensiv darüber gesprochen, was zum fatalen Fehlschluss führt, dass es hier keine größeren Probleme gäbe. Dabei ist gerade das Thema Micro- und Nanoplastik und deren Einfluss auf den Körper ein hochaktuelles Thema in den Umwelt- und Gesundheitswissenschaften.

Es existieren zahlreiche Studien zu Aufnahmewegen und Auswirkungen kleinskaliger Kunststoffpartikel. Ein aktueller Beitrag der Royal Society of Chemistry in Birmingham bspw. zeigt eindrücklich wie viele Partikel sich im Körper ansammeln und welche Schäden für Lymphsystem und Organe damit verbunden sind. Zusätzlich warnt sie vor der langsamen Vergiftung durch in Micro- und Nanoplastik verarbeiteten Brandhemmern, Weichmachern und anderen Additiven. Beim oft sorglosen Handling von Kunststoffpulvern braucht es also ein Umdenken.

Moderne Hautreinigung für die additive Fertigung

Die Firma DermaPurge, eine Ausgründung vom Leibniz-Institut für Polymerforschung in Dresden, hat hier einen Durchbruch in der Entwicklung eines effektiven Hautreinigungsmittel für den Arbeitsschutz erzielt. Das Hautreinigungsmittel powder-ex wurde zunächst an Universitäten, Forschungseinrichtungen und in industriellen F&E-Abteilungen eingesetzt. Nun ziehen die ersten Hersteller und Dienstleister in der additiven Fertigung nach und ergänzen ihr HSE-Konzept mit powder-ex.

Anders als herkömmliche Mittel enthält powder-ex keine Seife oder Penetrationsverstärker. So wird der Wash-in Effekt verhindert und die Hautbarriere bleibt intakt. Es basiert auf dem Zusammenspiel von Aktivkohle und Schichtsilikaten, welche die Partikel umschließen, sodass diese mit Wasser von der Haut gewaschen werden können. Mittlerweile kommt powder-ex in verschiedenen Industriezweigen zum Einsatz – insbesondere dort wo mit feinen Partikeln gearbeitet wird oder diese beim Fräsen, Schleifen oder Polieren entstehen.

DermaPurge bietet auch Beratungen zur Hautreinigung im Arbeitsschutz an. „Es hat sich bewährt, dass unsere Kunden zunächst für einige Wochen auf powder-ex in einem Testballon umstellen und sich selbst von dem spürbaren Unterschied überzeugen.“, so Erik Wöller, Sales Manager bei DermaPurge.

Formnext 2022

Wer mehr erfahren möchte, kann den den Stand von IGO3D auf der diesjährigen Formnext besuchen. Als besondere Messeaktion bietet IGO3D Masterclass-Workshops an – Am Mittwoch, den 16.11. um 14.30 Uhr geht es um powder-ex sowie Arbeitssicherheit im Umgang mit pulverbasierten Werkstoffen.

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